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Die Tage werden kürzer, die Strahlung weniger und der Kontinent beginnt sich mehr und mehr abzukühlen, lediglich der warme Golfstrom bringt noch ein bisschen Wärme und den einen oder anderen Regenschauer in den hohen Norden Norwegens. Bald wird es für einige Tage gar kein Licht geben und der erste Ausstoß kontinentaler Kaltluft aus der Richtung von Finnland wird das meiste Wasser erstarren lassen, die steilen Felswände mit Eisglasuren überziehen und ein Paradies für Eiskletterer schaffen. |
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Der Plan im Februar wegzufliegen, um irgendwo anderes nach Eis zu suchen schwebte schon seit Winterbeginn in meinem Kopf herum, das Ziel und der Partner waren zunächst jedoch noch unklar. Als Seilpartner konnte ich Paul Mair gewinnen und die Entscheidung zwischen Norwegen und Kanada erleichterte uns Albert Leichtfried, der zusammen mit Benni Purner im Norden Norwegens nach Eis suchen wollte. Für uns ergab sich so eine gute Möglichkeit sich ihnen anzuschließen und so musst nur noch ein passendes Datum gefunden werden. |
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Das Abenteuer startete am 21. Februar mit dem Flug über Oslo nach Narvik und einer spannenden mitternächtlichen Fahrt nach Tennevoll zu den Strandhäuschen von Tor-Erik Lind, einem norwegischen Bauern, die einen idealen Stützpunkt für unsere weiteren Unternehmungen darstellten. Die ersten Tage standen ganz im Zeichen der Informationssammlung und zeigten uns, dass die Dimensionen hier oben auf fast 69°N ein bisschen größer sind als in unserem geliebten Heimatland. |
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Schon am ersten Tag zeigte uns der „Skredbekken“, dass man einen 700m nicht mal schnell am Nachmittag geht, schon gar nicht wenn es um halb 4 Uhr zu dämmern beginnt, die Abseiler noch nicht eingerichtet sind und das letzte Stück mit den Ski zum Auto durch ein Staudenfeld führt. Aber wir lernten schnell, kletterten die nächsten zwei Tage den „Flagebekken“ und den „Söylafossen“ und verschätzten uns „nur“ mehr um eine Seillänge. Die Temperaturen an den ersten 3 Klettertagen waren eisig, das Auto zeigt einmal sogar -37°C und der eine oder andere „Huenagl“ versüßte unser Kletterglück, bevor die Atlantikluft die kalte kontinentale Luft verdrängte und uns innerhalb von einer Nacht einen Temperaturanstieg um mehr als 40°C bescherte. „Koa Wunder dass es die Säuln da herobn derreißt wie Frankfurterwürstln im hoaßn Wasser“, den zwei Risse hatten fast alle Säulen die wir kletterten, dass muss hier oben wohl normal sein, denn die Eisskulpturen wirkten trotzdem stabil und konnten mit einem Minimum an Buchweh geklettert werden. |
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Nach einem Regentag den wir zum Auskurieren unserer Arme dringend nötig hatten, starteten wir die zweite Angriffswelle auf das norwegisch Eis und konzentrierten uns dabei hauptsächlich auf „Sordalen“, ein Nord-Südtal südlich von Setermoen, das mit einer genialen Linie neben der anderen auf uns wartete. Zunächst stiegen Paul und ich nochmal zum „Skredbekken“ auf, diesmal ein bisschen früher als am ersten Tag, um nach 700 Eismetern am Gipfelplateau zufrieden die Hände zu schütteln, a lässiger Fall, steil und dick, „wahrscheinlich so viel Eis wie im Ötztal alle Wasserfälle miteinander nicht leicht haben...“. Am nächsten Tag klettern wir eine dünne Linie etwas weiter vorne im Tal und taufen sie „Reinkanation WI5R“, auf Grund eines kleinen Schlupfloches das uns wiederum auf ein Gipfelplateau bringt, schon a super Gfühl, wenn man bei einem Wasserfall ganz oben aussteigt, das geht bei uns zu Hause auch nicht immer. |
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Die Eissuche ging weiter und das Potential war noch lange nicht erschöpft. Benni und Albert kletterten „Remember MI WI7-/M8“, wurden dabei wie bei den anderen Touren auch von Hannes Mair mit der Kamera begleitet und widmeten die Tour, dem beim Speedgliden verstorbenen AustriAlpin Geschäftsführer Michael Uhrmann. Zur gleichen Zeit movten Paul und ich ein bisschen weiter talauswärts in einer neuen dünnen Erstbegehung, die wir nach einem Rückzug aus einem Lawinengraben entdeckten und in einem kleinen Sonnenfenster klettern durften. „Golden Reward WI6+/M7R“ ist das Resultat eines weitern Eisklettertages im hohen Norden und wurde wie alle anderen Touren auf diesem Trip clean geklettert. |
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Die Tage in Sordalen waren gezählt, denn schließlich war es Dienstag und wir wären bereits seit Sonntag auf den Lofoten zum Winterclimbing Festival des Norske Tindeklub eingeladen gewesen. Die Verhältnisse auf den Lofoten waren auf Grund des Wärmeeinbruchs leider alles andere als gut und hier am Festland gab es noch zu tun. Paul und ich wiederholten am letzten Festlandklettertag noch „Remember MI“ und Albert und Benni kletterten die „Reinkanation“, getauscht sozusagen, bevor es dann wirklich „Goodbye Tor-Erik“ hieß und wir Tennevoll Richtung Lofoten verließen. Die Fahrt nach Kabelvag mit Zwischenstopp in Narvik zum Burger essen verlief äußerst spannend. Die streckenmäßig kürzere Variante mit der Fähre fiel auf Grund der Witterungsbedingungen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser und auch der Landweg blieb uns auf Grund des heftigen Windes beinahe verwehrt. Gegen 02:00 Uhr in der Nacht erreichten wir schließlich unser Ziel. Am Tag darauf im Rahmen einer kleinen Inselrunde, die als Erkundungsfahrt dienen sollte, war sofort klar, dass es tatsächlich besser gewesen ist, länger auf dem Festland zu bleiben, die guten Eiskletterbedingungen auszunutzen und erst später das Eiskletterfestival zu joinen. |
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Ein bisschen "Winterklettern" geht sich schon trotzdem noch aus. Nach einem Tag im Tal war es trotz schlechter Eisbedingungen und miserabler Witterungsbedingungen trotzdem angebracht zu starten, für Kost und Logie muss halt etwas getan werden. |
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Das Vergnügen hielt sich bei einem knappen Hunderter Wind und waagrecht fliegenden Graupelkörnern in Grenzen, doch der Tind war erklommen und einen Hunger hatten wir am Abend auch...immerhin! Am Folgetag beobachteten wir die Wetterküche nochmal aus der Stube, bevor wir uns am letzten Tag mit einem schönen Coulouir von der Inselgruppe verabschiedeten und in der Nacht die Heimreise antraten. In Erinnerung bleibt ein genialer Eisklettertrip im Land der Elche mit ziemlich abwechslungsreichen Wetterbedingungen und ebenso vielfältigen Erlebnissen. |
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