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Wind, Wolken, Regen, Schnee,… Wetterlotterie am anderen Ende der Welt! |
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| Patagonien, südliches Ende Amerikas und Heimat einiger der formschönsten und spektakulärsten Berge der Welt. Trotz der extremen Witterungsbedingungen und der daraus resultierenden Ungewissheit über Erfolg oder Misserfolg begehrtes Ziel vieler Bergsteiger und Kletterer. | |
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Schon seit langem, es brauchte nicht viele Bilder und Berichte, geisterte auch in meinem Kopf der Wunsch herum, einmal in diese Gegend zu fliegen, um Patagonien selbst zu erleben. Im Herbst des letzten Jahres redete mich Matthias Auer dann mal auf Patagonien an u. ich war natürlich sofort begeistert. Auf Grund zeitlicher Probleme, unter anderem wegen der Bergführerausbildung und des Studiums flaute das Ganze dann immer wieder ab, bis wir uns schlussendlich doch entschieden, im Februar, für mich zwar Prüfungszeit u. für ihn Hauptsaison beim Schilehrern, Richtung Fitz Roy, Cerro Torre u. Co. zu fliegen. |
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Am 09. Februar, vielleicht ein bisschen spät in der patagonischen Saison, schlugen wir nach zwei Tagen Flug am Abend unser Zelt auf einem Campingplatz in El Chalten auf. Der Wind peitschte uns um die Ohren und die Zeltplane war kaum festzuhalten. „Heute wird wohl ein schlechterer Tag sein“, ging es uns durch den Kopf. Am Vormittag des nächsten Tages zeigte sich der Fitz Roy dann kurz, bevor er für die nächsten vier fünf Tage hinter einem Wolkenband verschwand. Nach einem Telefonat mit unserem Wetterexperten Karl Gabl in Innsbruck, er meinte nur: „…bei 120km/h Wind ist’s für euch nicht so fein, denn ihr seid ja Kletterer u. keine Segler…“, war für uns klar, dass wir die nächsten Tage wohl in El Chalten verbringen würden. Immer wieder Regen und viel Wind, das Material wartete bereits im Lager und es gab für uns eigentlich nicht viel mehr zu tun, als ein bisschen zu bouldern, Karten zu spielen, Mate zu trinken und abzuwarten. |
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Sonntag, 6 Tage nach der Ankunft in Chalten, bis am Abend ein Tag wie jeder andere, mit Regen und Wind, dann jedoch passiert etwas Außergewöhnliches; Während wir unser Abendessen zubereiteten, wird es auf einmal windstill, die Wolken beginnen aufzulockern und der Fitz Roy kricht langsam hinter einem Wolkenschleier hervor…ein unheimliches Gefühl. Der Luftdruck war zwar am Boden und die Prognose für die nächsten zwei Tage alles andere als gut, nichtsdestotrotz wollten Matthias und ich nicht am nächsten Tag in der Früh aus dem Zelt schauen und den Fitz Roy sehen können. Einzige Lösung dieses Problems, Rucksack packen und auf geht’s! Nach einem gut zweistündigen Hike, erreichten wir das Campamento Rio Blanco um ca. 01:00 Uhr in der Nacht, immer noch bei Windstille und sternenklarem Himmel. Das bereits zuvor deponierte Material wurde aufgeteilt und die Rucksäcke wieder geschultert. Dann weiter zum Passo Suprior und nach einem schönen Sonnenaufgang Richtung Fitz Roy. Eigentlich war am Pass schon zu sehen, dass das Wetter rasch schlechter wird, endgültige Endstation war dann der Gletscher unter der Aguja Poincenot und dem Fitz Roy. |
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Das Wetter wurde wieder richtig grausig, so wie man es von Erzählungen kennt, es sich aber nicht vorstellen kann, wenn man es nicht selbst einmal erlebt hat. Für uns hieß es an diesem Tag noch absteigen bis nach Chalten und nach einem halben Ruhetag dann mit Essen wieder ins Rio Blanco zu gehen, um dort auf die nächste, diesmal prognostizierte „Chance“ zu warten. |
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Zwei Tage nach der letzten Aktion wurde das Wetter dann am Nachmittag, nach erneuten starken Regenfällen, besser, worauf wir voller Motivation wieder Richtung Passo Suprior starteten. Schon
als sich der Fitz Roy das erste Mal zeigte, wurde diese Motivation wie mit einem Hammer gedämpft. Extrem viel Schnee, alles vereist, heuer noch keine Begehung und so wie sich der Fitz Roy hier präsentierte, wird in den nächsten Tagen wohl auch keine dazukommen. Trotzdem Aufstieg zu den Schneehöhlen, eine Nacht im Hotel Passo Suprior, dann am nächsten Tag aber der Weg Richtung Poincenot nicht Fitz Roy, denn dort rechneten wir uns mehr Chancen aus. |
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Der Tag begann um 02:30 Uhr windstill u. sternenklar, zumindest wettertechnisch gute Voraussetzungen; Das einzige Problem, die Kälte, machte mir bald an meinen Füßen zu schaffen. Leider waren
meine ohnehin ein bisschen zu kleinen Schuhe nass vom Vortag, wodurch die Zehen bald kalt wurden. |
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In der steilen Flanke unter dem Poincenot zwangen uns dann der kaum noch spurbare, hüfttiefe Schnee, ein nicht überhörbares „Wummgeräusch“ und dementsprechende Risse zur Umkehr. Das Wetter war noch gut und wir motiviert. Von den drei Partien die Richtung Fitz Roy gestartet waren, kehrten zwei zwar bereits um, ans Heim gehen dachten wir aber noch nicht. „Gesessen sind wir in den letzten Tagen genug.“ Also rüber unter die Brecha de los Italianos, Pickel raus, Steigeisen an und dann über kombiniertes Gelände hinauf. Schon bald nach dem Sonnenaufgang bildeten sich wieder Wolken u. der Wind „frischte“ auf, der erhoffte Blick auf den Torre war uns schon nicht mehr gewährt, als wir die Scharte erreichten. Die Handschuhe verwandelten sich in kürzester Zeit in Eisklumpen u. das Seil wurde zu Draht…ein typisches Patagonienszenario. Bis zum Einstieg der Argentinierroute, einem unter dem Eis kaum erkennbaren Riss kämpften wir uns dann noch nach vor, bis wir das eigentlich schon lange Feststehende, Unausweichliche hinnehmen mussten: „Heute wird wohl wieder nichts gehen!“. |
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Beim Abstieg entschlossen wir uns, auf Grund des angeblich kommenden Wetters, dann sämtliches Material mit ins Camp runter zu nehmen, um beim nächsten „Wetterfenster“ im Torre Valley einen
niedereren Gipfel zu versuchen. Wir kehren dem Fitz Roy also den Rücken, akzeptieren den Wintereinbruch mit gemischten Gefühlen und wandern am gleichen Tag noch mit schweren Füßen zu unserem Camping nach Chalten. |
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Nachdem wir uns bereits mit der Situation abgefunden hatten, gab es dann beim Duschen den nächsten Dämpfer. Eine große Blase auf der linken großen Zehe, für mich war sofort klar, dass es sich dabei um eine Erfrierung handelte und ich brauchte auch nicht lange, um zu realisieren, dass das wahrscheinlich das Ende des Patagonientrips sein würde. Einen Berg- oder Kletterschuh wird dieser Fuß wohl nicht so schnell wieder sehen. Die Entscheidung fiel schwer, auch wenn der Wetterbericht für die nächsten Tage nicht wirklich auf eine reale Gipfelchance hoffen ließ, wären wir vielleicht noch ein bis zwei Mal gestartet. |
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Der Flug war bald umgebucht und die Vorbereitungen für die Heimreise gemacht. Für Matthias hieß es zuvor noch einmal Material aus dem Campamento Rio Blanco holen, mit einem Haulbag mit mehr
als 30 kg auch kein gemütlicher Nachmittagsspaziergang mehr, bevor uns der Bus am Abend nach El Calafate brachte. Damit der Abschied „leichter“ fiel, musste sich dann noch mal kurz der Cerro Torre zeigen, für uns übrigens das erste Mal, dass wir die Granitnadel durch die Wolken schimmern sahen. Nach einem Besuch des Perito Moreno und einem Tag in Buenos Aires war das Schlafsackleben dann leider nach gut zweieinhalb Wochen schon früher als erwartet vorbei und ein gefühlsintensiver Trip ging zu Ende. |
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Patagonien, ein Ort an dem die extremen Witterungsbedingungen sicher mehr Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg haben, als an vielen anderen Bergen der Welt. Man ist sich dieser Tatsache bewusst, sollte in diesem Gebiet rein realistisch eigentlich mit nichts rechnen, denkt sich insgeheim aber trotzdem immer: „Bei uns wird das Wetter schon besser sein als alle immer sagen…“ und ist dann dementsprechend auch ein bisschen enttäuscht wenn es nicht so ist. Aber genau diese rauhe Witterung und Ungewissheit macht diesen Fleck der Erde wahrscheinlich so einzigartig und wird vielleicht auch uns, so wie viele andere Bergsteiger, wiederkommen lassen. |
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